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Vom 15. bis 17. Juli fand im Stift Kremsmünster die Ökumenische Sommerakademie 2015 statt. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen beschäftigten sich mit der existentiellen Frage: "Warum Leid?". Unsere Kirchenzeitung "Kirche bunt" berichtet in der aktuellen Nummer 30 von dieser Tagung. Wir bringen im Folgenden diesen Bericht:

Theologische und philosophische Überle­gungen, persönliche Erfahrungen mit Leid und Leidenden sowie pastorale Konzepte wur­den in Kremsmünster von vielfältigen Seiten her behandelt.

Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer ging in seinen Beiträgen darauf ein, was die Er­fahrung von Leid in einem Menschen auslösen könne. Leiden sei nie neutral oder personen­fremdes Vorkommnis. Es werde in Freiheit an­genommen oder abgelehnt. Leiden selbst sei zweideutig: Nicht selten werden Erfahrungen des Leidens zum Nährboden von Rachegedan­ken und Revanche, von Aggression oder Hass. „Es gibt die Dialektik von Glück und Leiden. Wenn die Sprache des Leidens nicht verstanden wird, kann es in das Gegenteil versanden."

Es sei unchristlich, so Scheuer, aktiv das Leid zu suchen, „aber es wäre fatal, wenn wir Lei­denden unsere Solidarität verweigern".

Prof. Dr. Klaus Dawidowicz vom Institut für Judaistik der Universität Wien befasste sich in seinem Referat über den historischen Umgang mit Leiderfahrungen im Judentum. Eingangs wies er darauf hin, dass in der hebräischen Bi­bel keine echten Konzepte zum Umgang mit Leid zu finden seien. In der jüdischen Religion werde weniger das Leid an sich thematisiert, sondern vielmehr der Umgang mit leidvollen Erfahrungen. Daher seien in den unterschiedli­chen Strömungen der Beschäftigung mit dem Leid auch sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage nach dem Leid gegeben worden.

So besagt etwa ein Konzept, das Leid sei nicht eine göttliche Strafe, sondern habe einen bestimmten Zweck: Man solle mit dem Leiden begreifen, ob man sich nicht selbst falsch ver­halten habe und entsprechend versuchen solle, ein besseres Leben zu führen.

Mit dem Leid aus christlich theologischer Sicht setzte sich Ilse Müllner, die Kasseler Alt­testamentlerin, auseinander. Ein Großteil des biblischen Sprechens zu Gott, so Müllner, sei Klage: „Das Aussprechen des erfahrenen Leids und Unrechts vor Gott, ihm das Herz auszu­schütten ist ein erster Schritt zur Bewältigung." Sie bedaure deshalb, dass die Klage in der Litur­gie unterrepräsentiert sei. Im Monotheismus bestehe die Herausforderung darin, die unter­schiedlichen Bereiche des Lebens (Freude und Leid) in das Gottesbild zu integrieren.

Der Tübinger Neutestamentler Prof. Dr. Ul­rich Heckel untersuchte in seinem Vortrag das Theodizee-Problem im Neuen Testament. Dass Gott Leid zulasse und andererseits daraus er­rette, sei ein schreiender Widerspruch, der sich nicht intellektuell oder philosophisch auflöse, sondern nur existentiell beklagen lasse.

Der Blick auf Jesus zeige, dass auch er am Kreuz die Warum-Frage gestellt hat. Auch für ihn sei die Frage kein „intellektuelles" Problem gewesen, sondern ein Ausdruck tiefster Ver­zweiflung. Jesus will schlichtweg von seiner To­desnot befreit werden. Jesu Frage bleibe unbe­antwortet, Gott schweige, Jesus sterbe am Kreuz. Aber Gott reagiere, indem er ihn auferwecke.

Auch für Paulus liege der Schlüssel zur theo­logischen Deutung alles Leidens im Tod und der Auferstehung Jesu: Leid und Tod haben nicht das letzte Wort.

Prof. Dr. Ulrike Wagner-Rau von der Univer­sität Marburg befasste sich mit der Integration des Leids in ein christliches Leben. Einerseits verfalle man nur allzu leicht den Lügen der Tröster. Unangemessen wäre es andererseits aber, die Hoffnungskraft aus dem Glauben zu übersehen, mit der viele Menschen ihre Lei­denswege begehen und bestehen. „Über die Be­deutung des Glaubens in der Leiderfahrung zu sprechen ist unvermeidlich." Das Leben sei nicht fraglos und heil, der Glaube schütze nicht vor Verlusten, Schmerz, Scheitern und Schuld, so Wagner-Rau. Glaubende seien vor den Schrecken des Lebens nicht besser geschützt als andere Menschen und stoßen auch als Mitlei­dende und Tröstende an ihre Grenzen.

Ein zentraler Punkt sei, im Namen Jesu dem Leidwesen zu dienen, es achtsam wahrzuneh­men, die Grenzen des Menschen darzustellen und so „Spielraum zu schaffen für das ganze Le­ben, auch für das Schwierige darin".

Auch "Kirchenzeitung im Netz" beschäftigt sich mit diesem Thema und der Sommerakademie: Glaube schützt vor Leiden nicht.

Bild: pixabay, CC0 Public Domain.

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